Musik und Kirche unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Diktatur in Südtirol
Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus bedeutet immer auch die Auseinandersetzung mit einem Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte. Diese Diktatur verursachte nicht nur den Tod von Millionen von Menschen im Zweiten Weltkrieg, sie ist auch für den millionenfachen systematischen Mord an Juden, And...
Պահպանված է:
| Հիմնական հեղինակ: | |
|---|---|
| Ձևաչափ: | Online |
| Լեզու: | գերմաներեն |
| Հրապարակվել է: |
Schwabe Verlag
2024
|
| Խորագրեր: | |
| Առցանց հասանելիություն: | ONIX_20240708_9783796544392_273 |
| Ցուցիչներ: |
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|---|---|
| author | Pinggera, Mario |
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| collection | Directory of Open Access Books |
| description | Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus bedeutet immer auch die Auseinandersetzung mit einem Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte. Diese Diktatur verursachte nicht nur den Tod von Millionen von Menschen im Zweiten Weltkrieg, sie ist auch für den millionenfachen systematischen Mord an Juden, Andersdenkenden, Homosexuellen und Behinderten verantwortlich. Auch die Musik blieb vom harschen Zugriff durch die Nationalsozialisten nicht verschont. Ganz im Gegenteil: So machten sich die Nationalsozialisten gerade die Musik und damit die Musizierenden voll und ganz zu Nutze. Diese Arbeit hat nicht die Aufgabe, nach Schuldigen zu suchen oder gar ein Urteil zu fällen. Das ist Aufgabe der Justiz. Vielmehr wird der Frage nachgegangen, wie es in einem fast schon archaisch katholischen Land wie Südtirol möglich war, dass die nationalsozialistische Ideologie einen so grossen Anklang finden konnte. Die katholische Lehre und das menschenverachtende System des Nationalsozialismus sind per definitionem unvereinbar. Dasselbe gilt für Kirchenmusik, kirchliche Musik und kirchennaher Musik: Auch sie sind mit einer Diktatur grundsätzlich nicht vereinbar. Aber gerade am Beispiel Südtirol kann deutlich aufgezeigt werden, wie effizient die nationalsozialistische Diktatur mit massgeblicher Hilfe der Musik in einem Land Fuss fassen kann, welches mit Deutschland nur durch die Sprache eine Gemeinsamkeit besitzt, während die Mentalität eine gänzlich andere ist. Dies schon allein aufgrund der Religion, welche durchaus einen in sich geschlossenen Katholizismus darstellte. Aber auch aufgrund der Dreisprachigkeit und der speziellen geographischen Lage als Bindeglied zwischen Nord und Süd ergeben sich grosse Unterschiede zu Deutschland. Die Arbeit fokussiert später den Zeitraum von September 1943 bis Kriegsende, also etwas mehr als 20 Monate. In dieser kurzen Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Südtirol gelang es, die Ideologie in rasantem Tempo zu installieren. "Kirchenmusik im Nationalsozialismus" ist schon vielfach beschrieben worden, meistens im Kontext mit Deutschland. Südtirol bietet sich als Forschungsgebiet im Besonderen an. Das Land war, nachdem es 1919 Italien zugeteilt wurde, massiven faschistischen Repressalien ausgesetzt. Besonders einschneidend war das Verbot sämtlichen Deutschtums, einschliesslich jedweder Kultur. Es entstanden so immense Spannungen zwischen den Sprachgruppen. Die Italienisierung unter der Auslöschung sämtlichen Deutschtums war das Programm der italienischen Regierung. Italien und Südtirol verband damals schon die Religion: die katholische Kirche. Und trotzdem stand man sich nun verfeindet gegenüber. Schon diese Unvereinbarkeit von Glaube und menschlichem Handeln zeigt, wie verworren die Situation war. Grundsätzlich sind Faschismus und Christentum ohnehin nicht vereinbar. Dazu gesellte sich die Sprachbarriere zwischen Italienisch und Deutsch (sowie Ladinisch). Die Hoffnung, dass mit dem aufkommenden Nationalsozialismus nach 1933, sowie mit dem "Anschluss Österreichs" 1938, Südtirol irgendwann befreit und wieder "deutsch" werden könnte, nahm ab September 1943 tatsächlich Gestalt an. Die Nationalsozialisten übernahmen die Herrschaft in Südtirol. Aber diese Herrschaft stellte sich als genau so grausam heraus, wie die faschistische Diktatur. Die Menschen wurden überwacht, eingekerkert, gefoltert und nicht selten hingerichtet. Eine menschenverachtende Diktatur hatte die andere in kurzer Zeit abgelöst. Dass der Nationalsozialismus dem Christentum ebenso widerspricht wie der Faschismus, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Die Existenz einer volksfrommen Kirche und ihrer Musik in diesem sehr speziellen Kontext ist einzigartig. Genau dieser Umstand macht Südtirol in diesem Zusammenhang so interessant. |
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